gzeiten

Ebbe im Kopf, Flut im Blog.

Kategorie: Flut

100 Prozent deren Spiel

Der Film startet mit einem bunten Fahnenteich, das Bayer-Kreuz wird neben dem 96-Logo geschwungen, im Hintergrund kann man das Schwarz-Gelb der Borussia aus Dortmund ausmachen. Es wird in die Hände geklatscht, dann der Schnitt auf das Spielfeld. Szenen, die wahrscheinlich unter dem Schlagwort „Faszination Fußballbundesliga“ zusammengestellt wurden, werden aneinandergereiht. Zweikampf, Torschuss, Latte!, Stöhnen im Fanblock. Alles unterlegt mit einer generischen, weichgespülten Dubstep-Musik, mit der sich wohl kaum ein Auto verkaufen lassen würde. Aber hier soll ja auch nichts verkauft werden, hier geht es um ein Herzensanliegen der TV-Sender.

Es sind Szenen aus einem Filmtrailer zur Initiative „100 Prozent das Spiel — 0 Prozent Gewalt“. Hinter dieser Initiative stehen die TV-Partner der Bundesliga, das sind ARD, ZDF, SKY, LIGA! Total und SPORT1. Zur Erinnerung: Darunter sind Sender, in denen TV-Moderatoren, die ihren Zenit überschritten haben, Kaufhauspuppen abfackeln, bei deren Talks Ultras gerne mal mit den Taliban verglichen werden und Marijke Armado und Oliver Pocher als Experten für Fankultur zu Wort kommen. Kurz: Sender, deren Berichterstattung zum Thema Gewalt im Fußball in der jüngeren Vergangenheit nicht unbedingt zu einem gewissenhaften Umgang mit der Problematik geführt haben.

Aber hier geht es um ein wichtiges Anliegen, nämlich um das Kulturgut Fußball und seinen integralen Bestandteil Fankultur, da wollen wir mal nicht so sein und räumen den Sendern eine neue Chance ein. Ein sachlicher Umgang mit dem Thema ist schließlich dringend nötig. Nicht, weil der deutsche Profifußball in Fangewalt erstickt, sondern vielmehr, weil die Berichterstattung bisher diesen Eindruck erweckte und zu Konsequenzen zu führen droht, welche die hiesige Fankultur gefährden.

Und so darf man die erste Sendung der Initiative, einen Talk auf PHOENIX unter dem Motto „Wem gehört der Fußball„, durchaus als Schritt in die richtige Richtung auffassen. Zwar bot die Sendung wenig bis gar nichts Neues und war für den mit dem Thema vertrauten Beobachter vor allem langweilig. Die Belange der Fans wurden aber durch den „ProFans“-Sprecher Philipp Markhardt und 11Freunde-Chefredakteur Philipp Köster gleichberechtigt vertreten. Da gab es in der Vergangenheit ganz andere Gesprächsrunden, in denen Medienprofis und Scharfmacher die Sendezeit für sich vereinnahmten. Man darf gespannt sein, wie es am heutigen Sonnabend im Aktuellen Sportstudio mit diesem Thema weitergeht.

Ein belächelnswertes Imagefilmchen

Umso bedauernswerter ist es, dass der Trailer der Initiative ein belächelnswertes Imagefilmchen geworden ist. Als Aushängeschild der Initative — immerhin wird der Film zu prominenten Zeiten, wie etwa in der Halbzeit der Liveübertragung Schalke gegen Hannover, gesendet — wird hiermit die Chance verpasst, einen symbolischen Schritt auf die Fans zuzumachen, die Woche für Woche den eigenen Verein auch auswärts unterstützen und einen entscheidenden Teil zur Faszination des Bundesligafußballs beitragen.

Im Film werden drei Slogans präsentiert, bevor er mit dem Motto der Kampagne, „100% das Spiel — 0 Prozent Gewalt“, endet. Gleich der erste dieser drei Slogans ist ein schwerwiegender taktischer Fehler. Er lautet: „0% Rauchentwicklung“. Mit dem Slogan wird Bezug genommen auf die seit langem geführte Debatte über den Einsatz von Pyrotechnik im Stadion. So abgebrannt dieses Argument auch inzwischen ist, aber: Der Einsatz von Pyrotechnik hat für sich genommen erst einmal wenig mit Gewalt zu tun. Es gibt zweifelsfrei genügend gute Gründe, die für ein Verbot von Pyrotechnik in Fußballstadien sprechen. Wer allerdings eine Initiative gegen Gewalt im Fußball starten will und dann als erstes auf das Thema Pyrotechnik zu sprechen kommt, das eine also zumindest symbolisch mit dem anderen gleichsetzt, der verspielt frühzeitig und leichtfertig die Chance, von den organisierten Fans überhaupt angehört zu werden.

Aber wenn man sich die fiktiven Tribünen des Films einmal anguckt, drängt sich ohnehin der Eindruck auf, dass es hier weniger um Ultras und organisierte Fans geht. Statt Doppelhalter und Megafon sind die Zuschauer mit Fanshop-Fähnchen und der aktuellen Trikot-Kollektion ausgestattet. Applaudierer von der Stange statt kreativ-kritische Supporter scheint hier das Ideal zu sein, dass den TV-Machern vorschwebt. Die machen dann brav zwei, drei Mal die Laola-Welle und kaufen sich in der Halbzeit noch ´ne schöne Stadionwurst.

Überhaupt, die Wurst. An diesem Punkt des Videos wären wir beim zweiten Slogan angelangt: „0% Schlagstock“. Über die zugehörige Text-Bild-Schere stolperte bereits Nicole Selmer bei publikative.org:

Am Imbiss beißt ein männlicher Fan krachend in eine Bratwurst, dazu liest man „0 % Schlagstock“. Schlagstöcke zu Bratwürsten? Ist das ein Statement gegen Polizeigewalt oder Werbung für die Hoeneßsche Wurstfabrik?

Wie ist das zu verstehen? Der Schlagstock würde verschwinden, wenn die Fans nur alle zu glücklich-friedlichen Bratwurstkonsumenten würden? Müssen wir nur die naturgegebene Reiz-Reaktionskette von Fanausschreitungen und gerechtfertigtem Schlagstockeinsatz durchbrechen? Die andere Variante, dass es sich hier um Kritik an der Einsatztaktik der Polizei bei Fußballspielen handelt, erscheint doch etwas abwegig.

Neben Rauchentwicklung und Schlagstöcken möchte man in Zukunft auch bitte „0% Angst“ haben. Dabei fällt mir spontan ein Tweet aus meiner Timeline ein (von dem ich leider nicht mehr weiß, von wem er stammte). Sinngemäß zitiert: „Wenn ich ins Stadion gehe, habe ich immer Angst — Angst vorm Gegentor.“ Wie viel Angst man denn sonst, abgesehen von dieser sehr naheliegenden Furcht, beim Stadionbesuch haben sollte, scheint derweil unklar. Bei der Aktion „Ich fühl´mich sicher“ outeten sich immerhin bisher rund 75 000 Menschen als angstfreie Stadionbesucher.

Ein vermarktbares Spiel

Rauchentwicklung, Schlagstock und Angst möchten die Bundesliga-TV-Sender also in Zukunft aus dem Stadion verbannt wissen. Ich unterstelle mal, dass jeder vernünftige Fan den Punkt „0% Gewalt“ unterschreiben würde. Die Begriffstrias „Rauchentwicklung, Schlagstock und Angst“ wird hier aber wohl eher zu Kopfschütteln und Stirnrunzeln führen. Und das nicht, weil sich Fans Bengalos, Polizeieinsätze und Furcht in den Kurven wünschen, sondern weil hier mal wieder plakative Durchmischung sowie eine suggestive Darstellung einer falschen Stadionrealität stattfindet.

Rundet man das mit dem Fan- und Stadionbild ab, welches der Trailer als Alternative präsentiert, so wird schnell klar, welches Spiel sich die Bundesliga-Sender wünschen: ein zu 100 Prozent vermarktbares Spiel. Bunt und stimmungsvoll, aber bitte sauber und geordnet. Es ist nicht das Spiel der aktiven Fanszene, die soll doch bitte nicht die durchkalkulierten Übertragungszeiten mit dem Werfen von Papierschlangen stören. Ein bisschen klatschen und Fähnchen schwingen reicht doch auch. Insofern ist es nur konsequent, dass der Trailer wie jeder andere Bundesliga-Werbespot daherkommt, geht es doch vor allem um das Produkt Bundesligafußball. Bleibt zu hoffen, dass die zukünftige Berichterstattung zu Stadionsicherheit und Fankultur sich nicht wieder dem Niveau des Werbefilms annähert. Dann muss es wieder um das Spiel der Fans gehen, nicht um das Spiel der Sender.

Advertisements

Spiel mit dem Pad bis zum Tod

Ein Artikel über Limbo? Ist das nicht ein wenig spät? Ja, ist es, immerhin feierte der Titel im Sommer 2010 sein Debüt auf XBox Live Arcade. Und auch Playstation-Jünger wie ich kommen schon länger in den Genuss des Spiels. Doch Sony setzt mit seiner Entscheidung, Limbo im Dezember in seine Instant Game Collection aufzunehmen und den Playstation Plus Membern damit kostenlos zum Download anzubieten, den Titel wieder auf die Liste der tagesaktuellen Themen. Daher hier ein Aufruf an alle, die bisher nicht in den Limbus hinabgestiegen sind: runterladen, abtauchen, sterben, verzaubern lassen!

Mit dem Tod in Videospielen ist das ja immer so eine Sache. Das spielerische Ableben jagt dem heutigen Gamer meist keine Angst mehr ein, tun die Entwicklerinnen doch alles dafür, die Kundschaft auch ja bei der Stange zu halten. Level voller Wiedereinstiegspunkte und „Game Over“ als Fremdwort nehmen dem digitalen Sensenmann jeglichen Schrecken. Auch im Indie-Hit Limbo kommt der Tod nie unfair daher, spielt aber dennoch eine zentrale Rolle.

Rock'n'Roll-Tod: Vom Rolling Stone erschlagen

Rock’n’Roll-Tod: Vom Rolling Stone erschlagen. 
(Quelle: limbogame.org)

Spielst du noch, oder stirbst du schon? Im Puzzle-Plattformer Limbo trifft beides zu. Die Entwickler der Kopenhagener Indie-Schmiede Playdead haben genug Fallen eingebaut, um auch die vorsichtigste Spielerin hineintappen zu lassen. Die steuert in Limbo einen kleinen Jungen auf seinem Weg durch eine feindselige Welt. Gefahren lauern hier in vielen verschiedenen Formen: versteckte Bärenfallen, tödliche Abgründe oder eine übergroße Spinne sind nur einige der Dinge, die dem namenlosen Protagonisten einen grausigen Tod bereiten.

Und dieser grausige Tod wird dabei ästhetisch eindrucksvoll in Szene gesetzt. Die in Graustufen gehaltene, grafisch minimalistische Welt Limbos erinnert mitunter an Schattenspiele, wodurch die explizite Gewaltdarstellung einen kunstvollen Anstrich bekommt – ohne jedoch an Eindruckskraft einzubüßen. Es ist zwar nur eine Silhouette, der hier gerade von der Bärenfalle der Kopf abgetrennt wird, dennoch muss bei den Sterbeanimationen anfänglich auch die härteste Zockerin erst einmal schlucken. Der Grund dafür liegt mit einiger Wahrscheinlichkeit in der Tatsache, wessen Silhouette hier künstlerisch Wertvoll zerteilt wird: die eines Kindes.

limbo2

Ich bin mir ja nicht sicher, ob Suizid als Ausweg aus der Vorhölle funktioniert… (Quelle: limbogame.org)

Und so ist die morbide Welt Limbos auch weit von anderen Unterwelten der Popkultur – etwa der knuffigen Welt Tim Burtons – entfernt. Stellt sich die Frage, warum der Gamer dennoch in diese vermeintlich lebensfeindliche Welt eintauchen sollte? Neben der spielmechanischen Antwort, dass es sich bei Limbo um einen gelungen Rätselplattformer handelt, der nicht zuletzt aufgrund der kurzen Spieldauer ein rundes Spielerlebnis bietet, vermag vor allem die betörende Wirkung der Spielwelt die Spielerin zu fesseln. Limbo ist eine melancholische Reise voll leiser Töne, die trotz des immer präsenten Leitmotivs – dem Tod – mehr Traum denn Albtraum ist. Die schaurig schöne Tristesse des Limbus setzt dabei einen wohltuenden Kontrapunkt zu den auf epischen Bombast getrimmten Spielwelten der heutigen Triple-A-Titel. Ein Abstieg in diese Spielwelt, und möge sie auch mit dem Tod enden, lohnt sich also allemal.

Limbo ist erhältlich für Xbox 360, PC/Mac und Playstation 3 (seit Dezember für PS+ Nutzer kostenlos als Teil der Instant Game Collection).

Homo Scribens – Bindestrich

Ich bin Fußballfan. Mein Herz schlägt braun-weiß, nämlich für den Hamburger Stadtteilclub FC St. Pauli. Ich bin also St. Pauli-Fan. Oder bin ich St.-Pauli-Fan?

Die Anhänger der Kiezkicker legen mitunter großen Wert auf die komplette Aussprache des eigenen Vereinsnamens. Und es ist in der Tat schwer erträglich, wenn der Sport1-Reporter unentwegt von „Pauli“, „Pauli-Spielern“ und „Pauli-Fans“ spricht. Sankt Pauli – da sind sich die meisten einig – soviel Zeit muss sein.

Zurück zur geschriebenen Variante. Wird der Vereinsname als Teil einer Zusammensetzung (Kompositum) verwendet, stellt sich mir immer wieder die Frage, wohin wie viele Bindestriche gehören. Die Schreibweise mit einem Bindestrich zwischen Vereinsnamen und angefügtem Wort („St. Pauli-Fan“) reißt in meinem Empfinden den mehrteiligen Vereinsnamen auseinander und macht aus den Fans des FC St. Pauli auf einmal „Pauli-Fans“. Genau diese Schreibweise verwendet jedoch auch die Fangruppe „Ultrà Sankt Pauli“ auf ihrer Homepage und in zahlreichen Südkurven-Flyern.

Auch professionelle Redakteure sind sich nicht einig über die hier richtige Verwendung des Bindestrichs. Beim Stern findet sich die Schreibweise mit der Kombination Leerzeichen + Bindestrich, in einem Artikel der Zeit streicht der Redakteur aus lauter Verzweiflung das Leerzeichen gleich ganz und schreibt von „St.Pauli-Ultras“ und „St.Pauli-Fans“.

Dabei ist die hier greifende Rechtschreibregel eindeutig. So heißt es unter §50 der vom Rat für deutsche Rechtschreibung herausgegebenen Regeln:

Man setzt einen Bindestrich zwischen allen Bestandteilen mehrteiliger Zusammensetzungen, deren erste Bestandteile aus Eigennamen bestehen.

Als Beispiel für diese Rechtschreibregel werden dabei oftmals Straßennamen, die unter Verwendung eines Eigennamens gebildet werden, angeführt. So wird aus „Max Mustermann“ die „Max-Mustermann-Straße“. Richtig ist also: Ich bin St.-Pauli-Fan.

Ästhetisch mag diese Schreibweise, besonders bei St.-Pauli-Anhängern, Unbehagen auslösen. Sieht irgendwie nicht nach dem Verein aus, der da auf dem Non-Established-Logo steht. Liegt wahrscheinlich an der emotionalen Verbundenheit, welche die Fans mit dem Schriftbild „St. Pauli“ – und eben nicht dem Schriftbild „St.-Pauli“ – verbindet. Überträgt man die gleiche Regel aber auf Komposita mit mehrteiligen Eigennamen, die einem als St.-Pauli-Fan weniger am Herzen liegen, geht ihre Anwendung schon leichter von der Hand. So ist z.B. der FC Chelsea der aktuelle „Champions-League-Sieger“ – und nicht „Champions League-Sieger“. Vielleicht ändert sich das empfinden für die Schreibweise dieses Ausdrucks aber auch in ein paar Jahren, wenn der Magische FC in der Königsklasse angekommen ist.

Mit doppeltem Bindestrich unterwegs ist übrigens auch Abendblatt-Redakteur und St.-Pauli-Experte Lutz Wöckener. Und auch wenn Schriftsprache genauso wie gesprochene Sprache lebendig ist – blindes Regelbefolgen also hier wie überall nicht der Weisheit letzter Schluss ist – so ist es doch zumindest ganz nett zu wissen, wie im Zweifelsfall die Regel lautet.

[DIY] Sport Bild Magnettabelle für die 2. Bundesliga

Alle Jahre wieder kaufe ich das kicker-Sonderheft zur kommenden Bundesligasaison. Zwar nicht nur, aber vor allem aufgrund der Stecktabelle. In liebevoller Kleinstarbeit beginnt so jede Saisonvorbereitung mit dem Heraustrennen der Vereinslogos und dem Öffnen der Steckschlitze mittels Kartoffelschälmesser. Wenn die Tabelle dann steht, habe ich zwar mindestens schon drei der 36 Logos beschädigt (die dritte Liga darf ich hoffentlich weiterhin weitestgehend ignorieren…), freue mich aber noch ein Stück mehr auf den Saisonstart.

Pünktlich zu jenem Saisonstart wurde ich jetzt dank TV-Werbung auf eine Alternative zur kicker-Tabelle aufmerksam. Die Sport Bild Magnettabelle („nur für kurze Zeit!“) macht zweifelsfrei einen stabileren Eindruck als ihr pappiges kicker-Pendant, und Magneten verschieben ist auch einfacher als Pappschnipsel stecken. Dennoch hat die Sport-Bild-Tabelle einen entscheidenden Nachteil: Es fehlen die Vereine der 2. Bundesliga. Da der FC St. Pauli gerade wieder im Unterhaus unterwegs ist, wäre die Tabelle für mich nur bedingt brauchbar, wären da nicht meine angeborenen Bastelfähigkeiten.

Mit ein wenig Arbeit ist so meine Magnettabelle für die 2. Bundesliga entstanden:

Falls Euer Verein auch gerade in Liga 2 unterwegs ist und Ihr auch mehr auf Magneten als auf Pappe steht, kann ich Euch ein wenig Arbeit abnehmen. Die Druckvorlage für die Pins könnt ihr euch hier herunterladen. Einfach ausdrucken, ausschneiden und auf die Pins der Erstligavereine aufkleben. Ich habe das ganze auf selbstklebende Folie gedruckt, ein Klebestift und normales A4-Papier erfüllt aber mit Sicherheit auch seinen Zweck. Eine Randnotiz wert ist die Tatsache, auf welchem Bundesliga-Pin die Zweitliga-Aufkleber landen, wenn man sich beim Aufkleben bei den Zweitliga-Vertretern an die Abschlusstabelle hält und bei den Magnetpins einfach von oben nach unten und von links nach rechts vorgeht. Nach dieser Methode landet der 1. FC Köln auf dem Pin der Borussia aus Mönchengladbach und Eintracht Braunschweig wird auf den Hannover-96-Pin geklebt. Wenigstens einmal gesellt sich so aber auch gleiches zu gleichem, der Ingolstadt-Aufkleber landet nämlich auf dem Hoffenheim-Pin.

Soweit zur Magnettabelle, hier noch einmal das Material:

Sportbild Nr. 34 mit Magnettabelle: 3,60 €

Druckvorlage 2. Bundesliga

A4-Papier + Klebestift oder selbstklebende A4-Folie

Medienmenü Bundesliga

Sie ist endlich Geschichte, die „längste Sommerpause aller Zeiten“. Ich habe nicht nachgezählt, aber bei den Leistungsschutzbefohlenen steht das überall. Europameisterschaft sei dank, kam es einem nicht ganz so lange vor. Der Verein, dem ich anhänge, hat zudem schon vor drei Wochen den Pflichtspielbetrieb wieder aufgenommen – spielt halt ganz woanders, in Liga 2. So richtig komplett fühlt sich das Wochenende aber erst an, wenn auch das Oberhaus wieder am Start ist. Doch es soll niemand denken, die Beschäftigung mit der Bundesliga beschränke sich auf den Samstagabend und die Sportschau („Männer sind so“, sagen die semi-kreativen Köpfe, die für die Werbekampagne verantwortlich sind). Mehrere Ligen, zerstückelter Spieltag, Tippspiel, Managerspiele, Vor- und Nachberichterstattung, der Wochenplan des Fußball-Nerds ist prall gefüllt.

Der Freitag ist dabei für gewöhnlich der Tag, an dem sich bereits entscheidet, wie das Fußball-Wochenende wird. Das gilt auch, wenn die eigene Mannschaft erst am Sonntag spielt. Denn der Freitag ist der Stichtag für die zahlreichen Manager-Spiele, mit denen Fußballfans prokrastinieren. Bereits am Freitagmorgen könnte Comunio für den ersten Schock sorgen, nämlich dann, wenn die Frage „Bin ich im Minus?“ mit „Ja“ beantwortet wird. Denn dann gibt es keine Punkte für diesen Spieltag, und natürlich werden sich die eigenen Spieler ausgerechnet an einem solchen Wochenende besonders ins Zeug legen.

Wer bei Comunio nicht im Minus ist, geht beruhigt zum nächsten Tagesordnungspunkt über: Die „fünf Fragen an den Spieltag“ auf sportal.de. Das Sportportal sportal.de verdankt seine Existenzberechtigung dabei vor allem dem Managerspiel Comunio, denn seit 2005 nutzt dieses die sportal.de-Noten als Grundlage für die eigene Punktevergabe. Das ist im übrigen Fluch und Segen zugleich: Zwar liefert Comunio zahlreiche klickwillige User, diese nutzen die Kommentarfunktion unter den Artikeln aber vor allem dafür, den zuständigen Redakteuren die Pest an den Hals zu wünschen, weil ihre von jeglichem Fußballverstand verlassene Notenvergabe sie zwei Punkte in der Comunio-Liga gekostet hat.

Nach dem Lesestoff auf sportal.de wird es dann multimedial. Bei den 11 Freunden gibt es, zuverlässig unpünktlich, irgendwann zwischen Freitagvormittag und kurz nach Anpfiff des Freitagsspiels, die 11 Freunde Spieltagstipps in Videoform. Fachlich fundiert wird hier begründet, warum Düsseldorf gegen Hannover 2:1 ausgehen wird. An guten Tagen spuckt die Glaskugel auch noch Torschützen und Torminute aus.

In Kombination mit den üblichen Nebentätigkeiten (Twitter) hat der gemeine Fußballfan jetzt auch schon den halben Arbeitstag hinter sich, so dass es langsam Zeit wird, die eigenen Tipps im Tippspiel einzutragen. Wer sein Tippspiel beim Kicker untergebracht hat, der konnte sich früher an diesem Punkt auch schon das komplette Wochenende versauen. Vor nicht allzu langer Zeit mussten die Tipps für das gesamte Wochenende bereits vor Anpfiff des Freitagsspiels abgegeben werden, dies hat sich zum Glück geändert. Erfahrene Tipper legen sich dennoch bereits am Freitag auf die Ergebnisse fest, wer weiß schon, wann man am Sonnabend in welchem Bett aufwacht…

Anders als bei den Tippspielen gilt für die zahlreichen Managerspiele im Netz tatsächlich der Freitag als Deadline. Egal ob Comunio oder Kicker-Managerspiel Interactive, bis spätestens zum Anpfiff des Freitagsspiels um 20:30 Uhr muss die Aufstellung für das Wochenende festgelegt sein. Auf einen Ausbruch der Beulenpest im Teamhotel Freitagnacht kann somit nicht mehr reagiert werden. Eine besondere Deadline läuft am heutigen Freitag, dem ersten Spieltag dieser Bundesligasaison, ab. Nach Anpfiff des Eröffnungsspiel am heutigen Abend können nämlich die Kader im Kicker-Managerspiel bis zur Winterpause nicht mehr verändert werden.

Nach soviel Arbeit mit Manager- und Tippspielen ist wieder eine kurze Auszeit mit Berieselung angesagt. Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs gibt es Freitags in Form einer Radiokolumne, nachzuhören bei Soundcloud. Kopfballungeheuer Heribert Zeigler liefert hier vorab Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen des Spieltags.

Wer das alles erledigt hat, darf endlich ins Bundesligawochenende starten. Natürlich mit der Freitagskonferenz der zweiten Liga bei 90elf. Funkkopfhörer auf und dann Abwaschen, Staubsaugen, Badezimmer putzen – fällt alles leichter mit ein wenig Fußball auf den Ohren. Abgerundet wird der Freitagabend dann mit dem Livespiel der ersten Liga – vorausgesetzt, es heißt nicht Frankfurt gegen Augsburg, oder Mainz gegen Fürth, oder…

Der Samstag liefert genug Stoff für den Fußball-Overkill. Zweite Liga um 13:00 Uhr. Bundesliga um 15:30 Uhr und um 18:30 Uhr. Konferenz oder Einzelspiel? Darf es vielleicht noch ein Spiel der Premier League sein? Danach noch Sportschau und Aktuelles Sportstudio. Wie das Wetter in München, Dortmund und London ist kann ich dir sagen, aber ob es draußen vor meiner Tür regnet? Kein Ahnung.

Weiter geht es am Sonntag mit den Livespielen der ersten und zweiten Liga. 13:30 Uhr (Anpfiff zweite Liga) bis 19:15 Uhr (Abpfiff erste Liga). Bitte nicht stören. Wie, schon vorbei? Noch nicht ganz, am späten Sonntagabend kommt noch der Heribert Zeigler auf die Mattscheibe. Mit Zeiglers wunderbaren Welt des Fußballs klingt das Fußballwochenende gemütlich aus, um 23:45 im WDR.

Der Montag bringt die Kicker-Noten. Wie hat das Interactive-Team abgeschnitten? Comunio ist da schneller, sportal.de liefert die Noten bereits kurz nach Abpfiff der jeweiligen Spiele, so dass man sich die eigenen Punkte bereits am Sonntagabend zusammenrechnen konnte. Überhaupt steht der Montag ganz im Zeichen des Rückblicks, Sportteile der Tageszeitungen, Montags-Kicker, 11 Freunde Spieltagsanalyse. Wer waren die Gewinner, wer die Verlierer? Dabei ist der Spieltag zumindest in der zweiten Liga noch gar nicht komplett, das Deutsche Sport und Call-In Fernsehen zeigt das „Topspiel der zweiten Liga“ live im Free-TV. Mit dabei: Fröhliche Auswärtsfans, die an einem Montag quer durch die Republik reisen durften (und noch wieder zurück müssen). Die „Scheiß Sport 1“-Rufe werden vom Kommentator wohlwollend ignoriert.

Das Standart-Menü für den durchschnittlichen Fußball-Nerd kann zusätzlich noch mit vereinsbezogenen Angeboten ergänzt werden. Im Fall des FC St. Pauli steht da auf der Speisekarte ganz oben: Pommes braun-weiß. Abendblatt-Redakteur Lutz Wöckener stellt im Video-Podcast drei Fragen und hat auch gleich drei Antworten parat. Zudem gibt es noch die Fritte der Woche. Lecker. Zum Nachtisch dann noch den FC St. Pauli Podcast von AFM-Radioreporter Wolf Schmidt, mit Zusammenschnitten aus der Livereportage und Stimmen zum zurückliegenden Spiel.

Ziemlich zeitaufwändig, so ein Fußballwochenende. Und dabei ist ein Stadionbesuch noch gar nicht mit eingerechnet. Wer dann auch noch an Champions League, Europa League und englische Wochen denkt, dem wird ganz schwindelig. Zum Glück ist bald wieder Winterpause.

%d Bloggern gefällt das: