PlayStation 1984

von nukular2k

Jetzt ist es also offiziell: Die PlayStation 4 kommt. Mit reichlich Marketing-Blabla und ohne einen Blick auf die Konsole selbst zu gewähren, hat Sony in der vergangenen Nacht die eigene Zukunft des Gamings vorgestellt. Und diese Zukunft ist vor allem eins: vernetzt.

Connection is power

Connection is power: Watch Dogs

Vernetzte Welt: Watch Dogs

Da passt es nur zu gut, dass auch Ubisoft zum Presse-Event erschienen war. Mit dem Titel Watch Dogs sorgte der Publisher bereits bei der vergangenen E3 für Aufsehen, nun gab es neue Bilder zum Open-World-Spiel. In Watch Dogs nutzt der Spieler die vernetzte Welt zu seinem Vorteil, in dem er sich von einem mobilen Device problemlos in die verschiedensten Systeme hackt. Dass Sony nun ausgerechnet dieses Spiel werbewirksam in das Promo-Lineup für die PS4 mit aufnimmt, ist an Ironie kaum zu überbieten. Es dürfte wohl kaum einen PlayStation-Nutzer geben, der bei dem Wort „Hacker“ nicht zugleich auch an den folgenreichen PSN-Hack von 2011 denkt, bei dem zahlreiche Nutzerdaten gestohlen und das Online-Netzwerk der PlayStation wochenlang lahmgelegt wurde.

Der gläserne Gamer

People haven’t changed, but now everybody is broadcasting. And once you’ve seen all of it – how do you look away?

„everybody is broadcasting“, so der gestrige Watch-Dogs-Trailer. Sony will mit der PS4 seinen Teil dazu beitragen, dass noch mehr Leute noch mehr broadcasten. So bekommt der neue Controller namens „Dualshock 4“ neben Touchpad und LED-Leuchte auch einen „Share“-Button, mit dem das eigene Gameplay-Material mit der ganzen Welt geteilt werden kann. Zugleich möchte Sony den Nutzern personalisierte Angebote im Store liefern. Die Idee: Noch bevor der Spieler weiß, welches Game er sich als nächstes kaufen möchte, weiß es der Konzern bereits und leitet die entsprechenden Werbemaßnahmen ein. Die einen nennen das „Nutzerfreundlichkeit“, die anderen schreien „Datenschutz“.

Mit der PlayStation 4 soll zudem endgültig  der Schritt hinaus aus dem Gaming-Elfenbeinturm des Wohnzimmers gewagt werden, hinein in eine vernetzte Spielwelt. Und hinein in ein soziales Netzwerk, das nicht mehr bloß eine pseudonyme Avatarwelt sein soll, wie es das PSN derzeit ist. Stattdessen sollen echte Freunde mit echten Namen ihre Spielerlebnisse teilen, Facebookintegration inklusive. Inwieweit das Spielen auf der PS4 auch noch Privatsache bleiben darf, bei dem nicht sofort die ganze Freundesliste sieht, dass man wochentags um 12 Uhr das neue Killzone spielt, ist fraglich.

Gronkh zittert schon

Besorgte Menschen dürften nach der gestrigen Vorstellung außerdem fragen: „Und was wird aus den Let’s-Playern?“ Der Share-Button wird für das noch junge Phänomen wohl kaum folgenlos bleiben. Sony scheint die Technik für die YouTuber von morgen gleich mit der Konsole mitzuliefern. Teure HD-Capture-Karten könnten überflüssig werden, sollte das Share-Feature der PS4 die Bedürfnisse in dieser Richtung hinreichend befriedigen.

Bleibt die Frage: Erstickt das Phänomen Let’s Play dann bald in seinem eigenen Bullshit? Oder erleben wir dank einem günstigeren und einfacheren Zugang zu den Produktionsmöglichkeiten dieser speziellen Form des Entertainments den Aufstieg des Genres? Die Entwicklung in diesem Bereich dürfte äußerst spannend werden.

Evolution statt Revolution

Die ersten Stimmen zum gestrigen Sony-Event äußerten sich nicht gerade beeindruckt. Man bekam keine Konsole gezeigt und vermisste ein Killer-Feature, wie Nintendo es seinerzeit mit der Bewegungsteuerung der Wii geliefert hatte. Dabei wird übersehen, dass der von Sony eingeschlagene Weg erstens marktwirtschaftlich vernünftig ist und zweitens auch dafür sorgen könnte, dass die geliebten Core-Games trotz mobile und social Gaming noch nicht zu Grabe getragen werden. Denn der ebenfalls gestern geäußerte Leitspruch „everything, everywhere“ ist nur die halbe Wahrheit. Man kann ihn noch ergänzen, nämlich um: „everything on PlayStation“. Die neue Konsole soll eine leistungsstarker Alleskönnerin werden, die im Netz zu Hause ist. Ein solcher Schritt ist nur konsequent. Es ist aber an den Spielern, dafür zu sorgen, dass mit dem neuen Zuhause im Netz kein Kontrollverlust einhergeht.

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