Spiel mit dem Pad bis zum Tod

von nukular2k

Ein Artikel über Limbo? Ist das nicht ein wenig spät? Ja, ist es, immerhin feierte der Titel im Sommer 2010 sein Debüt auf XBox Live Arcade. Und auch Playstation-Jünger wie ich kommen schon länger in den Genuss des Spiels. Doch Sony setzt mit seiner Entscheidung, Limbo im Dezember in seine Instant Game Collection aufzunehmen und den Playstation Plus Membern damit kostenlos zum Download anzubieten, den Titel wieder auf die Liste der tagesaktuellen Themen. Daher hier ein Aufruf an alle, die bisher nicht in den Limbus hinabgestiegen sind: runterladen, abtauchen, sterben, verzaubern lassen!

Mit dem Tod in Videospielen ist das ja immer so eine Sache. Das spielerische Ableben jagt dem heutigen Gamer meist keine Angst mehr ein, tun die Entwicklerinnen doch alles dafür, die Kundschaft auch ja bei der Stange zu halten. Level voller Wiedereinstiegspunkte und „Game Over“ als Fremdwort nehmen dem digitalen Sensenmann jeglichen Schrecken. Auch im Indie-Hit Limbo kommt der Tod nie unfair daher, spielt aber dennoch eine zentrale Rolle.

Rock'n'Roll-Tod: Vom Rolling Stone erschlagen

Rock’n’Roll-Tod: Vom Rolling Stone erschlagen. 
(Quelle: limbogame.org)

Spielst du noch, oder stirbst du schon? Im Puzzle-Plattformer Limbo trifft beides zu. Die Entwickler der Kopenhagener Indie-Schmiede Playdead haben genug Fallen eingebaut, um auch die vorsichtigste Spielerin hineintappen zu lassen. Die steuert in Limbo einen kleinen Jungen auf seinem Weg durch eine feindselige Welt. Gefahren lauern hier in vielen verschiedenen Formen: versteckte Bärenfallen, tödliche Abgründe oder eine übergroße Spinne sind nur einige der Dinge, die dem namenlosen Protagonisten einen grausigen Tod bereiten.

Und dieser grausige Tod wird dabei ästhetisch eindrucksvoll in Szene gesetzt. Die in Graustufen gehaltene, grafisch minimalistische Welt Limbos erinnert mitunter an Schattenspiele, wodurch die explizite Gewaltdarstellung einen kunstvollen Anstrich bekommt – ohne jedoch an Eindruckskraft einzubüßen. Es ist zwar nur eine Silhouette, der hier gerade von der Bärenfalle der Kopf abgetrennt wird, dennoch muss bei den Sterbeanimationen anfänglich auch die härteste Zockerin erst einmal schlucken. Der Grund dafür liegt mit einiger Wahrscheinlichkeit in der Tatsache, wessen Silhouette hier künstlerisch Wertvoll zerteilt wird: die eines Kindes.

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Ich bin mir ja nicht sicher, ob Suizid als Ausweg aus der Vorhölle funktioniert… (Quelle: limbogame.org)

Und so ist die morbide Welt Limbos auch weit von anderen Unterwelten der Popkultur – etwa der knuffigen Welt Tim Burtons – entfernt. Stellt sich die Frage, warum der Gamer dennoch in diese vermeintlich lebensfeindliche Welt eintauchen sollte? Neben der spielmechanischen Antwort, dass es sich bei Limbo um einen gelungen Rätselplattformer handelt, der nicht zuletzt aufgrund der kurzen Spieldauer ein rundes Spielerlebnis bietet, vermag vor allem die betörende Wirkung der Spielwelt die Spielerin zu fesseln. Limbo ist eine melancholische Reise voll leiser Töne, die trotz des immer präsenten Leitmotivs – dem Tod – mehr Traum denn Albtraum ist. Die schaurig schöne Tristesse des Limbus setzt dabei einen wohltuenden Kontrapunkt zu den auf epischen Bombast getrimmten Spielwelten der heutigen Triple-A-Titel. Ein Abstieg in diese Spielwelt, und möge sie auch mit dem Tod enden, lohnt sich also allemal.

Limbo ist erhältlich für Xbox 360, PC/Mac und Playstation 3 (seit Dezember für PS+ Nutzer kostenlos als Teil der Instant Game Collection).

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