Homo Scribens – Bindestrich

von nukular2k

Ich bin Fußballfan. Mein Herz schlägt braun-weiß, nämlich für den Hamburger Stadtteilclub FC St. Pauli. Ich bin also St. Pauli-Fan. Oder bin ich St.-Pauli-Fan?

Die Anhänger der Kiezkicker legen mitunter großen Wert auf die komplette Aussprache des eigenen Vereinsnamens. Und es ist in der Tat schwer erträglich, wenn der Sport1-Reporter unentwegt von „Pauli“, „Pauli-Spielern“ und „Pauli-Fans“ spricht. Sankt Pauli – da sind sich die meisten einig – soviel Zeit muss sein.

Zurück zur geschriebenen Variante. Wird der Vereinsname als Teil einer Zusammensetzung (Kompositum) verwendet, stellt sich mir immer wieder die Frage, wohin wie viele Bindestriche gehören. Die Schreibweise mit einem Bindestrich zwischen Vereinsnamen und angefügtem Wort („St. Pauli-Fan“) reißt in meinem Empfinden den mehrteiligen Vereinsnamen auseinander und macht aus den Fans des FC St. Pauli auf einmal „Pauli-Fans“. Genau diese Schreibweise verwendet jedoch auch die Fangruppe „Ultrà Sankt Pauli“ auf ihrer Homepage und in zahlreichen Südkurven-Flyern.

Auch professionelle Redakteure sind sich nicht einig über die hier richtige Verwendung des Bindestrichs. Beim Stern findet sich die Schreibweise mit der Kombination Leerzeichen + Bindestrich, in einem Artikel der Zeit streicht der Redakteur aus lauter Verzweiflung das Leerzeichen gleich ganz und schreibt von „St.Pauli-Ultras“ und „St.Pauli-Fans“.

Dabei ist die hier greifende Rechtschreibregel eindeutig. So heißt es unter §50 der vom Rat für deutsche Rechtschreibung herausgegebenen Regeln:

Man setzt einen Bindestrich zwischen allen Bestandteilen mehrteiliger Zusammensetzungen, deren erste Bestandteile aus Eigennamen bestehen.

Als Beispiel für diese Rechtschreibregel werden dabei oftmals Straßennamen, die unter Verwendung eines Eigennamens gebildet werden, angeführt. So wird aus „Max Mustermann“ die „Max-Mustermann-Straße“. Richtig ist also: Ich bin St.-Pauli-Fan.

Ästhetisch mag diese Schreibweise, besonders bei St.-Pauli-Anhängern, Unbehagen auslösen. Sieht irgendwie nicht nach dem Verein aus, der da auf dem Non-Established-Logo steht. Liegt wahrscheinlich an der emotionalen Verbundenheit, welche die Fans mit dem Schriftbild „St. Pauli“ – und eben nicht dem Schriftbild „St.-Pauli“ – verbindet. Überträgt man die gleiche Regel aber auf Komposita mit mehrteiligen Eigennamen, die einem als St.-Pauli-Fan weniger am Herzen liegen, geht ihre Anwendung schon leichter von der Hand. So ist z.B. der FC Chelsea der aktuelle „Champions-League-Sieger“ – und nicht „Champions League-Sieger“. Vielleicht ändert sich das empfinden für die Schreibweise dieses Ausdrucks aber auch in ein paar Jahren, wenn der Magische FC in der Königsklasse angekommen ist.

Mit doppeltem Bindestrich unterwegs ist übrigens auch Abendblatt-Redakteur und St.-Pauli-Experte Lutz Wöckener. Und auch wenn Schriftsprache genauso wie gesprochene Sprache lebendig ist – blindes Regelbefolgen also hier wie überall nicht der Weisheit letzter Schluss ist – so ist es doch zumindest ganz nett zu wissen, wie im Zweifelsfall die Regel lautet.

Advertisements